Wie wir an dieser Stelle schon einmal berichtet haben, fand im Frühjahr ein sonntagnachmittägliches Kaffeetrinken mit weiblichen Mitgliedern und Interessierten unseres Ortsverbands statt.
Eines der dort angesprochenen Themen war Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Dazu berichtete uns ein Mitglied von der Aktion „Orange Bank“ im Landkreis Ludwigsburg, an der sich schon zahlreiche Kommunen beteiligen. Die orangefarbenen Bänke beziehen sich auf den UN-Aktionstag „Orange the World“ am 25. November, eine weltweite Initiative gegen Gewalt an Frauen und Mädchen.
Die Idee besteht darin, an einer prominenten Stelle in der Stadt eine orange gestrichene Bank aufzustellen, an der sich eine Tafel mit wichtigen Notrufnummern und Hilfsangeboten für Betroffene befindet. Damit soll das Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen in der Öffentlichkeit sichtbar und Betroffenen niederschwellige Unterstützung angeboten werden.

In unserer Kaffeerunde war schnell klar, dass wir auch in Gerlingen gerne so eine Bank haben möchten. Gewalt gegen Frauen ist kein weit entferntes Problem aus den „Ghettos“, sondern zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Unser Vorstand hat sich daraufhin mit viel Engagement dem Thema „Orange Bank“ angenommen und auch überlegt, wie wir dieses Thema in die Stadtgesellschaft einbringen können. Hierzu haben wir auch bereits mit der Stadtverwaltung, dem Landratsamt und anderen Organisationen Kontakt aufgenommen.
In der letzten Sitzung des Jugendgemeinderates (JGR) hat es uns sehr gefreut zu hören, dass aus der Runde der Vorschlag kam, in Gerlingen eine „Rote Bank“ aufzustellen. Nun werden Sie sich fragen, warum jetzt plötzlich von einer anderen Farbe die Rede ist. Die Aktion „Rote Bank“ stammt ursprünglich aus Italien und war eine Reaktion auf viele Tötungsdelikte, bei denen Frauen durch brutale Gewalt ihrer Ehemänner, Partner oder anderer Männer starben. Die Farbe soll an das vergossene Blut dieser Frauen erinnern und der leere Platz ihr Fehlen in der Gesellschaft symbolisieren. Die Bank soll dazu einladen, Platz zu nehmen und Solidarität zu zeigen. Ursprünglich wurden die Bänke nur in der Nähe von Tatorten aufgestellt, in der Zwischenzeit haben sie sich aber auch international als Symbol für Gewalt gegen Frauen etabliert. Die Intention der „Roten Bank“ ist also die gleiche wie die der „Orangen Bank“.
Natürlich ist uns bewusst, dass das Aufstellen einer Bank die Gewalt gegen Frauen und Mädchen nicht beenden wird. Hier handelt es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die schon bei der Erziehung unserer Kinder beginnt. Wenn man sieht, was für erschreckende Weltanschauungen und Verhaltensweisen in den sozialen Medien von manchen Gruppen propagiert werden, muss uns klar sein, wie wichtig hier entschlossenes Handeln ist. Wir müssen dieses Problem stärker thematisieren und Betroffenen mehr Hilfe anbieten!
Wir unterstützen den JGR vollumfänglich bei seinem Wunsch, eine Bank aufzustellen und sind gespannt, wo sie am Ende ihren Platz findet. Und ob rot oder orange ist uns egal, Hauptsache sie steht!
Angela Neuburger-Schäfer und Eva Warnke