Beim Thema Mobilität denkt man zuerst, möglichst schnell und bequem sein Ziel zu erreichen.
Ein wenig beachteter Aspekt ist jedoch der ruhende Verkehr, der mit der Mobilität verbunden ist. Damit ist nicht der Stau auf der Autobahn gemeint, sondern der, der durch die private Nutzung eines Kraftfahrzeugs entsteht. Diese stehen den größten Teil ihrer Lebenszeit auf einer öffentlichen Straße, in einer Garage oder auf einem Parkplatz.
Viele der Parkplätze befinden sich in öffentlicher Hand, vor allem in Seitenstraßen ist aufgrund der am Rand geparkten Wagen nur eine Spur frei, was bei Gegenverkehr zu einem Stop-and-Go von einer Kreuzung zur anderen führt. Zu einer längst fälligen Einbahnstraßenregelung hat sich die Stadt nun in der Laichlestraße durchgerungen.
Wo geparkt werden darf, ist zum Teil streng reglementiert. So sind zum Beispiel auf dem Parkplatz der Breitwiesensporthalle für 60 Parkplätze 22 Schilder aufgestellt worden, um zu regeln, wer, wann, wo parken darf. Ein richtiger Schilderwald ist entstanden. Auch der Maximilian-Kolbe-Platz ist reich bestückt.

Im Stadtzentrum in Gerlingen darf mit einer Parkscheibe für ein bis zwei Stunden umsonst geparkt werden. Da lohnt sich für Kurzparker die Fahrt in eine der Tiefgaragen nicht, wo kurioserweise eine Gebühr erhoben wird. Die Parkzeit wird ab November mit Kameras erfasst, ein System, das mehr Komfort ermöglichen soll, aber auch sensible Daten generieren kann (wer hat wann wie lange geparkt?). Schön wäre, wenn dort wie beim Landratsamt in Ludwigsburg mit „Parken und Laden“ kostenlose Ladestationen zur Verfügung stehen würden.
Ein weiteres Manko der Tiefgaragen sind die engen Parkbuchten. Hat man es in eine Lücke geschafft, steht man vor dem Problem des Ausstiegs. Die Tür lässt sich nur zu einem Spalt öffnen, ohne einen Blechschaden zu verursachen, und so windet man sich aus dem Wagen, was mit „Rücken“ oder einer Arthrose im Knie nicht einfach ist. Dann doch lieber ein paar Runden drehen auf der Suche nach einer oberirdischen Parkbucht.
Den angenehmen Aufenthalt in der verkehrsfreien Hauptstraße kann die Bevölkerung leider nur wenige Stunden im Jahr beim Solitudelauf, beim Straßenfest und in der langen Einkaufs- und Kulturerlebnisnacht genießen.
Ewald Bischoff