Vergangene Woche hatte ich am Ende der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Forsten (AUF) einen „Barbara Günther“-Moment.
Wie Sie sich vielleicht erinnern, wurde mit Beginn der aktuellen Amtszeit des Gemeinderats der Finanz- und Verwaltungsausschuss mit dem Sozialausschuss (FVSA) zusammengelegt. Diese Zusammenlegung bereitete manch einem Bauchschmerzen, gab es doch eine gewisse Sorge, dass dadurch die sozialen Themen vernachlässigt werden könnten. Für unsere Fraktion war das auch der Grund, uns für zwei Sitze im FVSA zu entscheiden. Am Ende einer FVSA-Sitzung stellte die damalige SPD-Kollegin Barbara Günther einmal die Frage: „Wir hatten nun Finanzen und Verwaltung … und wo blieb das Soziale?“
Ähnlich erging es mir am Ende der letzten Sitzung des AUF. Anders als die Sitzung im Frühjahr fand sie nicht im Wald, sondern im Rathaussaal und vor der Sitzung des FVSA statt. In der Sitzung wurden drei Punkte besprochen. Unser Förster Simon Walz informierte zuerst über den Zustand des Waldes, bevor der Nutzungs- und Kulturplan für das Forstwirtschaftsjahr 2027 vorgestellt wurde. Die Trockenheit der letzten Jahre hinterlässt im Wald immer deutlichere Spuren. Wie sich das aktuell extrem trockene Jahr auswirkt, zeigt sich erst noch. Um den im Frühjahr neu gepflanzten Bäumen das Überleben zu ermöglichen, wurden diese zweimal gegossen. Außerdem wurden Rodungs- und Ausgrabungsarbeiten im Rahmen der Gewässerpflege unternommen. Es wird spannend sein zu sehen, welche Auswirkungen dies auf die Biodiversität in den Biotopen hat. Die genauen Zahlen für das Forstjahr können Sie den Unterlagen im Bürgerinfoportal entnehmen: https://gerlingen-sitzungsdienst.komm.one/bi/si0057.asp?__ksinr=709.
Im Anschluss folgte die Besprechung der Vereinbarung zur Reh- und Schwarzwildbejagung für das Jagdjahr 2026/2027 zwischen der Stadt Gerlingen und der Jägerschaft der Gerlinger Waldjagd. Dann war die Sitzung zu Ende und ich fragte mich: „Das waren jetzt die Forsten… Und wo bleibt die Umwelt?“
Natürlich gehört der Gerlinger Wald zur Umwelt, aber was ist mit dem Stadtgebiet? Gibt es hier keine Themen zu besprechen? Umwelt steht für Umweltschutz — und den haben wir dringender nötig denn je. Nun könnte man sagen, dass sich die Verwaltung aktiv für den Klimaschutz einsetzt — das stimmt und ist auch gut so! Aber Klimaschutz ist nur ein Teil des Umweltschutzes. Und gerade die über das Klima hinausweisenden Themen betreffen uns als Bürgerinnen und Bürger direkt. So mussten zum Beispiel auch dieses Jahr erkrankte oder abgestorbene Bäume im Stadtgebiet gefällt werden. Bäume sind aber unbestritten wichtig zur Beschattung im Sommer und für die Luftqualität. Was ist nun die weitere Strategie? Wird nachgepflanzt? Werden vielleicht zusätzliche Standorte für Baumbepflanzungen gesucht? Welche Arten werden ausgewählt? Wie wird für die Pflege der neu gepflanzten Bäume gesorgt?

Momentan werden Themen, die dem Umweltschutz zuzuordnen sind, etwa die Renaturierung des Geländes „Im Bonholz“, im Technischen Ausschuss (TA) besprochen. Daher haben wir letztes Jahr beantragt, diesen in Ausschuss für Technik und Umwelt umzubenennen. Zum einen wollten wir dem Kind endlich den richtigen Namen geben, zum anderen das Thema Umweltschutz mehr in den Fokus bringen. Uns wurde eine Diskussion dieses Antrags zugesagt, wenn die nächste Umstrukturierung der Ausschüsse ansteht. Aller Voraussicht nach ist dies nach den nächsten Kommunalwahlen im Jahr 2029. Bis dahin werden Umweltschutzthemen in Gerlingen entweder unsystematisch im TA, in den zweimal jährlich stattfinden Sitzungen des AUF oder (wie dieses Mal geschehen) gar nicht besprochen.
Zum Schluss noch einmal zurück zu der Befürchtung, dass die das Sozialwesen betreffenden Themen durch die Zusammenlegung der Ausschüsse weniger Raum bekommen könnten. Sie hat sich bislang nicht bestätigt. Im Gegenteil, da die Sitzungen des FVSA monatlich stattfinden, bietet sich sogar häufiger die Möglichkeit, soziale Themen gezielt anzusprechen.
Angela Neuburger-Schäfer