- eine Initiative des Paritätischen Wohlfahrtsverbands BaWü.
Im März 2026 durfte ich im Rahmen der Initiative Seitenwechsel die Stiftung INVITARE Stiftung für Mutter und Kind in Ludwigsburg und das Wohnprojekt Aussichtsreich e.V. in Gerlingen besuchen.
Die Stiftung INVITARE wurde ursprünglich gegründet, um jungen ledigen schwangeren Frauen eine Wohnmöglichkeit und Unterstützung im Alltag anzubieten. Aktuell werden immer noch Notwohnungen angeboten, inzwischen ist INVITARE in der Mörikestraße in Ludwigsburg auch ein Ort der Begegnung und Beratung geworden. Es werden STEP Elterntraining, Krabbelgruppen, der Treff 60plus, offene Themenabende und vieles mehr angeboten. Ich wurde in den Räumen von INVITARE zu einem Frühstück und sehr interessantem Austausch über Frauen in den letzten 100 Jahren eingeladen.
Das Wohnprojekt Aussichtsreich e.V. durfte ich zum zweiten Mal besuchen. Die Bewohner des Wohnprojekts, ehemalige Bewohner und die Vorständinnen Gabi Deibler und Claudia Volz haben mich und Michaela Höhn-Bea sehr gastfreundlich empfangen. Die vorgesehene Zeit ist wie im Flug bei Gesprächen und einer Führung durch das Haus vergangen. Ganz besonders war an diesem Abend das gemeinsame Fastenbrechen. Im April 2023 konnten die ersten jungen Männer mit Fluchterfahrungen in das Wohnprojekt einziehen. Hier wohnen sie in Zweibettzimmern und leben in einer Gemeinschaft. Sie besuchen Schulen und machen Ausbildungen. Inzwischen konnten zwei der Männer in eine eigene Wohnung in Gerlingen ziehen. Weiter Bewohner würden gerne ebenfalls ausziehen, um selbstständig zu leben und auch, um den Platz im Aussichtsreich e.V. für andere Männer freizumachen. Leider gestaltet sich die Wohnungssuche nach wie vor als sehr schwierig. Das Ziel des Projekts, die Integration in der Gesellschaft, gelingt in vielen kleinen Schritten wie zum Beispiel Sport im Verein.
Es waren für mich sehr eindrucksvolle Tage, und ich möchte allen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen für ihre engagierte Arbeit danken. Es ist unsere Aufgabe, als Gesellschaft dazu beizutragen, dass soziale Institutionen nach Kräften unterstützt werden und den Stellenwert bekommen, der ihnen zusteht. Sie sind die Säulen unserer Demokratie.
Monja Sales-Prado
Angela Neuburger-Schäfer und Monja Sales Prado beim Seitenwechsel. Unterwegs mit einer Brille, die eine Maculadegeneration simuliert und im Wohnprojekt Aussichtsreich.Im April durfte ich auf Einladung der Paritätischen mit Vertretern des Blinden- und Sehbehinderten Verbandes Baden-Württemberg den Bahnhof Bietigheim begehen. Im Gespräch mit Betroffenen und durch das Ausprobieren einer Simulationsbrille zeigte sich das Ziel der Veranstaltung sehr schnell: Ein Seitenwechsel, eine Veränderung der Perspektive.
Der Bahnhof Bietigheim ist teilweise barrierefrei umgebaut, andere Bereiche warten noch auf die Modernisierung. Durch dieses Nebeneinander wurde sehr klar, wie wichtig zum Beispiel die taktilen Streifen auf dem Boden für die Orientierung sind — und dass sie in der Vergangenheit manchmal vollkommen sinnlos verlegt wurden. Baumaßnahmen rückwirkend zu ändern, ist oft sehr teuer. Deshalb ist es wichtig, bei Bauvorhaben im öffentlichen Raum die Barrierefreiheit von vornherein mitzubedenken.
Bedingt durch die demographische Entwicklung unserer Gesellschaft wird es immer wichtiger, das Augenmerk auf eine sehbehindertengerechte Umwelt zu legen, da Krankheiten wie etwa die Maculadegeneration immer häufiger auftreten. Barrierefreiheit ist eine wichtige Voraussetzung, um auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Mein Dank geht an den Paritätischen für die Organisation der Veranstaltung. Durch diese Erfahrung hat sich mein Blick auf den öffentlichen Raum und die an ihn gestellten Anforderungen geändert.
Angela Neuburger-Schäfer