Wieder einmal möchte ich an dieser Stelle etwas zum Rasenmähen schreiben. Seit einigen Jahren ist auch bei uns immer mehr von der ursprünglich aus Großbritannien stammenden Initiative „Mähfreier Mai“ zu hören. Es geht darum, Rasenflächen im Frühjahr nicht sofort mit Beginn der Vegetationsperiode zu mähen. Dadurch ist es Pflanzen im Rasen möglich zu blühen und später Samen zu bilden. Auf diese Weise finden Insekten mehr Nahrung, die wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel sind, die im Frühjahr gleichzeitig ihren Nachwuchs großziehen. Weniger Mähen ist also aktiver Naturschutz.
Allerdings sollten wir diesen Trend auch differenziert betrachten. Besonders große Rasenflächen haben sehr schnell das Problem, dass mit längerem Wachstum große Mengen an Biomasse anfallen, der man anschließend Herr werden muss. Und es reicht auch schon ein kleiner Streifen, um etwas zu bewirken. Darüber hinaus sollte die Zeitvorgabe nicht so eng gesehen werden. Durch den Klimawandel verschiebt sich die Vegetationsperiode immer weiter im Frühjahr, so dass manche Arten ihre Samenreife schon Mitte Mai beendet haben.
Erfreulicherweise gehen auch immer mehr Kommunen dazu über, weniger zu mähen. Als idealistisch denkende Grüne freue ich mich über das vielleicht dahinterstehende wachsende ökologische Bewusstsein. Aber selbst wenn eher die klamme Kasse einer Gemeinde dahintersteckt, indem weniger häufiges Mähen – gerade bei den aktuell wieder sehr hohen Kraftstoffpreisen – der Haushaltskonsolidierung dient: Der positive Effekt ist derselbe.
Oft herrscht die Erwartung, dass nach vier Wochen plötzlich eine bunte Blumenwiese im Garten steht, wenn nicht gemäht wird. So schnell geht es leider nicht. Damit sich die Artenzusammensetzung einer Fläche ändert, dauert es mehrere Jahre, selbst wenn Sie aktiv Blühsamen ausgebracht haben.
Die Wiese an der Straße am Brückentor im Mai 2025. Foto: Angela Neuburger-SchäferHier im Gerlinger Anzeiger habe ich vor genau einem Jahr davon berichtet, wie sich die Artenvielfalt auf der Wiese an der Straße am Brückentor langsam positiv verändert. Heute gibt es diese Wiese nicht mehr, dort befindet sich nun die Baustelle der Mensa. Bin ich darüber traurig? Jein. Zusammen mit meiner Fraktion freue ich mich sehr darüber, dass die Mensa endlich gebaut wird. Naturschutz heißt auch immer, Interessen abzuwägen und Kompromisse einzugehen.
Allerdings schockiert mich immer wieder, wie schnell etwas lange Gewachsenes unwiederbringlich vernichtet werden kann. Etwa die erwähnte Wiese oder (viel schlimmer), wenn Bäume gefällt werden. Unsere natürlichen Ressourcen und hier in Gerlingen besonders die naturnahen Flächen sind begrenzt. Daher müssen wir uns bei jedem Vorhaben, das zu einer Oberflächenversiegelung führt, über die Konsequenzen bewusst sein. Im Falle der kleinen Wiese auf der Mensabaustelle ist das einfach. Vor dem Baugerüst sehen Sie derzeit schwarze Kanalschächte, die im Moment noch deutlich über dem Bodenprofil liegen. Die Außenanlage der Mensa wird noch landschaftsgärtnerisch gestaltet, um diesen Höhenunterschied auszugleichen.
Die Mensabaustelle im Mai 2026Für diese Außenanlage wünsche ich mir dabei kein stylisch angelegtes Blumenbeet, sondern einfach wieder eine Wiese. Eine Wiese mit trittfester Vegetation, über die viele Schulkinder Abkürzungen durch das Gras planieren können. Eine Wiese, auf der es ganz normale heimische Wiesenblumen gibt, die (vielleicht auf dem Heimweg von der Schule) gepflückt und als Sträuße verschenkt werden können. Wieder eine naturnahe Wiese, die nur zweimal im Jahr gemäht wird.
Angela Neuburger-Schäfer